Deutschland galt lange als konservativ, doch im Bereich “Sexual Wellness” hat sich das Land zu einem der progressivsten Märkte Europas entwickelt. Maßgeblich verantwortlich dafür ist eine neue Generation von E-Commerce-Startups, die ab den frühen 2010er Jahren die Branche umkrempelten. Allen voran Marken wie Amorelie und Eis.de haben es geschafft, Sexspielzeug aus der “Schmuddelecke” in die Mitte der Gesellschaft zu holen.
Werbung zur Primetime Der größte Hebel war die Sichtbarkeit. Früher war Werbung für Erotikartikel im Fernsehen undenkbar oder auf das Spätprogramm beschränkt. Diese neuen Unternehmen schalteten jedoch humorvolle, stilvolle und völlig jugendfreie Werbespots zur besten Sendezeit. Der berühmte Satz “Es rappelt im Karton” wurde zum Ohrwurm. Indem sie Sexspielzeug so normal beworben wie Waschmittel oder Mode, nahmen sie dem Thema die Peinlichkeit.
Der Adventskalender-Hype Ein Marketing-Geniestreich war die Einführung des “Erotischen Adventskalenders”. Was als Nischenidee begann, ist heute ein Millionen-Geschäft. Paare kaufen sich diese Kalender, um im Dezember jeden Tag ein neues “Spielzeug” oder Pflegeprodukt auszuprobieren. Dies senkt die Hemschwelle enorm: Man kauft nicht ein spezifisches, “verruchtes” Produkt, sondern ein Lifestyle-Paket zum Ausprobieren. Diese Kalender liegen heutestapelweise in Drogeriemärkten und Parfümerien, ein Zeichen dafür, dass das Toy im Mainstream angekommen ist.